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4-Augen-Prinzip in der Praxis — warum die KBV es fordert und wie es DSGVO-konform funktioniert

Wer darf den Hygieneplan ändern? Wer darf eine SOP freigeben? Das 4-Augen-Prinzip ist mehr als ein Bürokratie-Detail — es ist die wichtigste Schutzregel deiner Praxis.

4-Augen-Prinzip in der Praxis

In Pilot-Gesprächen kommt diese Frage fast immer: "Warum brauchen wir das 4-Augen-Prinzip überhaupt? Wir sind doch nur ein 6-MFA-Team — wir vertrauen uns."

Die ehrliche Antwort: Es geht nicht um Vertrauen. Es geht um Nachvollziehbarkeit unter Stress. Wenn 2027 die KV anklopft und fragt "wer hat den Hygieneplan im März 2026 geändert", dann reicht "irgendjemand vom Team" nicht.

Was die KBV-QM-Richtlinie wirklich sagt

Die KBV-QM-Richtlinie nennt das 4-Augen-Prinzip nicht wörtlich. Aber sie fordert "nachvollziehbare Freigabe-Prozesse" und "klare Verantwortlichkeiten". Aus 23 Audits, die wir analysiert haben: Wenn der Prüfer einen Hygieneplan-Stand sieht, will er wissen:

  • Wer hat ihn erstellt?
  • Wer hat ihn freigegeben?
  • Wann?
  • Wo ist die alte Version?

Wenn drei dieser Fragen nicht klar beantwortbar sind, gibt es eine Auflage.

Was bedeutet "4 Augen" konkret?

Zwei Rollen, getrennt:

  1. Bearbeiter:in — erstellt oder ändert ein Dokument (z.B. neue SOP, aktualisierter

Hygieneplan, neuer Notfallplan)

  1. Freigeber:in — prüft und gibt frei (in der Regel Ärzt:in oder QM-Beauftragte:r)

Wichtig: Die beiden Personen müssen unterschiedlich sein. Eine Person kann nicht beides gleichzeitig sein. Klingt trivial, ist in Word-Welten aber genau das Problem: Wer das Dokument schreibt, drückt direkt "Speichern" — keine zweite Prüfung.

Warum DSGVO und GoBD das ebenfalls verlangen

  • DSGVO Art. 32: Technisch-organisatorische Maßnahmen müssen "Vertraulichkeit,

Integrität, Verfügbarkeit" sicherstellen. Integrität heißt: Daten dürfen nicht unbemerkt geändert werden.

  • GoBD §5: Für aufbewahrungspflichtige Dokumente (auch QM-Dokumente, die nach KBV

10 Jahre aufbewahrt werden müssen) gilt das Unveränderbarkeits-Gebot. Heißt: Wer ändert, muss nachweisbar sein, und Ursprung muss rekonstruierbar bleiben.

Wie man's pragmatisch umsetzt — drei Wege

Variante A: Mit dem Bestand (Word + Outlook)

Wenn ihr keine Tool-Lösung wollt:

  1. Bearbeiterin speichert Word-Datei mit Versions-Suffix _v2_entwurf_2026-05-22_anna.docx
  2. Schickt per E-Mail an QM-Verantwortliche
  3. QM-Verantwortliche prüft, schreibt "Freigegeben am 2026-05-23, Dr. Müller" ins

Dokument-Footer, speichert als _v2_final_2026-05-23.docx

  1. Alte Versionen werden in _archiv/ Ordner geschoben (nicht gelöscht!)

Funktioniert. Ist aber fragil — wer macht das wirklich konsequent?

Variante B: Mit etabliertem QM-Tool

Tools wie iqs haben Freigabe-Workflows eingebaut. Bearbeiter:in → Freigabe-Anforderung → Freigeber:in klickt "freigeben" oder "ablehnen". Audit-Log automatisch. Versionen automatisch.

Vorteil: zuverlässig. Nachteil: Modul-Aufpreis (~€80-€150/Monat extra).

Variante C: praxis-os 4-Augen-Workflow

Wir haben das in unser QM-Modul integriert: Jedes Dokument hat einen Status (Entwurf → Zur-Freigabe → Freigegeben → Archiviert). Freigeber:in bekommt Notification, eine Klick-Freigabe, fertig. Hash-Chain (GoBD-konform) im Hintergrund — wer wann was geändert hat, kryptografisch nachweisbar.

Wo das 4-Augen-Prinzip auch greifen sollte (außerhalb QM-Dokumente)

  • Stempel-Korrekturen. Wenn eine MFA ihre Stempelzeit korrigieren will, sollte ein:e

Vorgesetzte:r freigeben — sonst Risiko von Manipulation.

  • Urlaubsanträge. Klar — Antrag von MFA, Genehmigung von Praxisleitung.
  • Material-Bestellungen über X €. Vermeidet "schnell mal teuer was bestellen".
  • Patientendaten-Änderungen im PVS. Wenn euer PVS das unterstützt, einschalten.

Bottom-Line

4-Augen ist kein Bürokratie-Quatsch. Es ist die Versicherung gegen "wer hat das eigentlich geändert" — sowohl gegenüber der KV als auch intern, wenn nach 8 Monaten niemand mehr weiß, warum eine SOP plötzlich anders aussieht.

Wenn ihr das heute nicht habt: Fangt mit einer einzigen Kategorie an. Hygieneplan zum Beispiel. Erst dort den Workflow einüben, dann ausweiten.